Dornröschen wacht auf…

Könnte ein Schloss erzählen, so gäbe es aus Kittendorf eine Menge zu berichten: Von der glanzvollen Zeit, welche gleich nach seiner Erbauung im Jahre 1850 durch den Schinkel-Schüler Friedrich Hitzig anbrach. Der Schlossherr Hans Friedrich von Oertzen war ein wichtiger Politiker im damaligen Herzogtum Mecklenburg-Schwerin und der Großherzog Friedrich Franz II. war ein oft gesehener Gast im Schloss. Die festlichen Räume, der herrliche von Peter Joseph Lenné errichtete Landschaftspark mit seinerzeit 110 Hektar: Schönheit und Anmut hatten ein Zuhause. Aber es könnte auch von der dunklen Zeit berichten, welche mit Krieg und Zerstörung verbunden war und mit der Enteignung der Familie von Oertzen nach Kriegsende 1945. Danach diente das Anwesen in vielen Rollen: als Notunterkunft für Flüchtlinge, als Hospital, als Internat und Berufsfachschule. Fast wäre es darüber in Vergessenheit geraten….
1992 jedoch wurde es dann von dem Berliner Unternehmer Johann Trettler erworben und in mühevoller Kleinarbeit nach Originalunterlagen des Denkmalschutzes rekonstruiert, bevor es 1995 der Öffentlichkeit in Form eines Hotelbetriebes wieder zugänglich gemacht wurde. Trettler starb im Jahre 2004 als armer Mann, die aufwändigen Arbeiten hatten seine finanzielle Substanz verzehrt. Sohn Constantin trat ein schweres Erbe an und versuchte den Spagat zwischen einem Studentenleben während der Woche in Berlin und der Rolle des bedienenden Schlossherren in Kittendorf am Wochenende. Mittel für die hundertprozentige Vollendung von Vaters Schlosstraum waren nicht mehr vorhanden, und auch bei allen anderen Investitionen des laufenden Hotelbetriebes reichte es nur für das Nötigste. Kein Wunder, dass die Kräfte irgendwann zu Ende gingen und die Hausbank auf einen Verkauf drängte.
Nach zahllosen Besichtigungen durch Interessenten mit unterschiedlichsten, teilweise auch abenteuerlichen, Absichten war es dann soweit: das Schloss wurde an die neue Eigentümerin Schloss Kittendorf GmbH & Co. KG übergeben. Diese wird geführt von den zwei Quereinsteigern Tom Buckenberger und Ralph Schlemminger aus Hamburg, die zusammen bereits vier andere Hotels erfolgreich betreiben. Um die Herausforderungen in Bezug auf das Restaurant und eine eigene Konditorei kompetent meistern zu können, haben sie sich den Itzehoer Konditorei-Inhaber Norbert Ramm mit in die Geschäftsleitung geholt. Außerdem konnten die drei insgesamt 40 weitere Kommanditisten als Miteigentümer gewinnen, die ebenso vom Zauber des Schlosses Kittendorf begeistert waren. Sie kommen aus den verschiedensten Berufsgruppen und Ländern und tragen über ihre Anteile finanziell dazu bei, den Traum vom Schlossbesitz zu erfüllen und auch abzusichern. Dabei war Wohlstand weniger ein Auswahlkriterium als die Frage, wie gut der Einzelne sich in das Gesamtbild einfügt. Die Gesellschaftsanteile waren sehr gefragt, obwohl allen Beteiligten von vorn herein klar vermittelt wurde, dass es sich bei der Schlossinvestition um ein Projekt mit nur moderater Rendite handelt. Schloss Kittendorf hat überzeugt und so war der Erwerb und die Umgestaltung völlig ohne Fremdkapital realisierbar. Der große Gesellschafterkreis bildet darüber hinaus die Basis für ein interessantes Netzwerk, welches dazu beitragen wird, das Schloss künftig mit Leben und zahlreichen kulturellen Veranstaltungen zu erfüllen.
Schon unmittelbar nach der Übernahme im November 2011 wurde Dornröschen mit Volldampf wachgeküsst: sämtliche Hotelzimmer erhielten ein hochwertiges Interieur mit neuen Betten, Kissen und Decken, flauschigen Teppichen, großen Flachbildfernsehern, zahlreichen Accessoires und mit einem frischen, anspruchsvollen Design. Auch in den Gesellschaftsräumen wurde sofort Hand angelegt: neue Vorhänge und Teppiche lassen nun wieder Erinnerungen an die prachtvollen Tage der Erbauerzeit wach werden. Dabei gibt die Designarbeit von Ralph Schlemminger diesem Anwesen einen unverkennbaren Stil.
Dessen jedoch nicht genug: In der zweiten Schlossküche hat Norbert Ramm eine komplett neue Konditorei eingerichtet, in der bereits drei Tage nach Übernahme die ersten selbstgemachten Pralinen und Konfitüren entstanden, die schnell ihre Abnehmer fanden. Inzwischen kommen auch aus der Umgebung zahlreiche Kaffeegäste, die gerne köstliche Torten schlemmen.
Seit Januar ist eine weitere Phase der Umgestaltung eingeläutet: im Tiefparterre wurden 6 Hotelzimmer entfernt, damit ein großzügiger Wellness- und Fitness-bereich entstehen, komplettiert um ein umfangreiches Kosmetik- und Massage-angebot. Dieser soll dann ab Ende April keine Wünsche mehr offen lassen, sowohl für anspruchsvolle Hotelgäste als auch für gern gesehene Nicht-Hotel-Gäste.
Außerdem sind bereits ein 6-Loch-Kurzplatz und eine Driving-Range in Planung, mit deren Errichtung noch in 2012 auf dem schlosseigenen Parkgelände begonnen werden soll. Dabei wird darauf geachtet, dass sich diese in die einzigartige Kulisse des berühmten Lenné-Parks einfügen, um die Schönheit dieser Parklandschaft nicht zu zerstören. Dieses zusätzliche Angebot an die Freunde des Golfsports soll das Schloss Kittendorf dann endgültig zu einem ganzjährig beliebten Treffpunkt für Erholungsreisende, Tagungsgäste und Kulturfreunde werden lassen.
Tom Buckenberger lächelt, gibt es doch noch einige Träumereien, wenn er an die Zukunft dieses faszinierenden Ortes denkt. Dornröschen wird sich freuen….


